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Zusammenfassung der Einwohnerversammlung vom 13. Mai 2025

Jan Luechau 08. Juni 2025
Keine Kommentare zu “Zusammenfassung der Einwohnerversammlung vom 13. Mai 2025”

Datum & Ort

Dienstag, 13. 05. 2025 – 19:00 Uhr
Ratssaal des Rathauses, Rathausplatz 3-5, 22880 Wedel

Tagesordnung 

  1. Begrüßung durch den Stadtpräsidenten
  2. Festlegung der Tagesordnung
  3. Berichte des Stadtpräsidenten und der Bürgermeisterin
  4. Wedels Haushaltslage
  5. Sicherheit in der Stadt Wedel
  6. Vorstellung des Innenstadtentwicklungskonzeptes
  7. Antrag einer Einwohnerin zum Erhalt des Freibades
  8. Antrag einer Einwohnerin zur Einrichtung eines Runden
    Tisches zur Beobachtung der Verkehrssituation
  9. Fragen & Verschiedenes 

 

TOP 3 – Berichte des Stadtpräsidenten und der Bürgermeisterin

Stadtpräsident

  • Bericht zu Haushaltsberatungen und beschlossenem Maßnahmenpaket
  • Betont Bedeutung der Einwohnerversammlung für Bürgerbeteiligung; ermuntert Fragen in Gremien einzubringen

Bürgermeisterin

  • Ziel: Vertrauen in Verwaltung wiederherstellen, Transparenz betont
  • Verwaltungsleitung komplett; Team soll zusammenwachsen
  • Sicherheit als hohe Priorität
  • Bürgerkontakt: Präsenz bei Veranstaltungen, erreichbar per E-Mail & Social Media, Newsletter-Abo möglich
  • Großprojekte angestoßen; Sachstandsbericht Digitalisierung im nächsten Rat
  • Jubiläum „150 Jahre Stadtrecht“ am 27. 11. 2025 (Festakt Immanuelkirche + weitere Formate)
  • Positiver Ausblick, Dank an Zuhörende

TOP 4 – Wedels Haushaltslage

Finanzielle Ausgangslage

  • Investitionsvolumen 2025: 13,9 Mio. €
  • Mittelfristig anstehende Investitionen: ≈ 250 Mio. €
  • Kassenkredite zum 31.12.2024: 24 Mio. €
  • Gesamtverschuldung: ≈ 131 Mio. €
  • Anhaltend hohes Zinsniveau (2024 ≈ 4 %)

Maßnahmenpaket (30 Punkte)

  • Konsolidierung mit internen Einsparungen (Stellenplan-Kürzungen, Verzicht auf Bewirtungen u.a.)
  • Wirtschaftsförderung
  • Konnexitätsprinzip: Kostenerstattung für Pflichtaufgaben von Land/Bund
  • Ziel: Ergebnisverbesserung +9,5 Mio. € bis 2028

Organisation & Steuerung

  • 30 Projektgruppen, regelmäßige Berichte an HFA und Rat
  • Gesamtverantwortung: 1. Stadträtin

Folgen der haushaltsfreien Zeit

  • Nur Pflichtaufgaben finanzierbar; Investitionen und freiwillige Leistungen gestoppt
  • Gefahr von Einschränkungen bei Gebäuden, Sport, Kultur, Badebucht etc.
  • Keine neuen Kredite und Stellenbesetzungen

Haushaltssicherung

TOP 5 – Sicherheit in Wedel: Katastrophenschutz & Verwaltungssicherheit

1. Katastrophenschutz und Krisenmanagement

Zuständigkeiten:

  • Krisenmanagement: Zuständig ist die Stadt Wedel (örtliche Ordnungsbehörden).
  • Greift bei allen Großschadenslagen, bis der Kreis offiziell den Katastrophenfall ausruft.
  • Katastrophenschutz: Zuständig ist der Kreis Pinneberg. Erst mit offizieller Ausrufung der Katastrophe übernimmt der Kreis die Einsatzleitung.

Aktueller Stand:

  • Gefahrenabwehrplan (Stand: 09/2022) mit drei Hauptszenarien:
    • Hochwasser / Sturmflut
    • Blackout
    • Austritt gefährlicher Stoffe
  • KRITIS (kritische Infrastrukturen) wurden erfasst.
  • Regelmäßiger Austausch mit Stadtwerken, Stadtentwässerung, Feuerwehr, Gebäudemanagement.
  • Vierteljährlicher Austausch mit dem Kreis.

Notfallinfopunkte in Wedel:

  1. Rudolf-Breitscheid-Halle – notstromversorgt, bietet Schutz, medizinische Erstversorgung und aktuelle Lageinformationen.
  2. Rathausinfo – reine Informationsstelle.

Planungen für 2025/2026:

  • Aktivierung eines zweiten Notfallinfopunktes in der Steinberghalle.
  • Ausbau der Öffentlichkeitsarbeit (Homepage, Pressearbeit).
  • Aktualisierung des Gefahrenabwehrplans und der KRITIS-Datenbank.
  • Lieferung eines zweiten großen mobilen Notstromaggregats bis Dezember 2025.

2. Verwaltungssicherheit & Schutz der Mitarbeitenden

Hintergrund:

  • Ergebnisse der FAVOX-Mitarbeitendenbefragung 2023.
  • Unsicherheiten im Umgang mit Übergriffen auf Mitarbeitende.
  • Fehlende Hausordnung zur Grundlage von Hausverboten.
  • Sicherheitsvorfall an der Volkshochschule im Sommer 2024.

Sicherheits-AG der Stadt Wedel:

  • Beteiligte: FD Personal, FD Soziales, Personalrat, Gleichstellungsbeauftragte, Mitarbeitende aus publikumsintensiven Bereichen und Außenstellen sowie das Leitungsteam.
  • Ziel: Entwicklung eines umfassenden Sicherheitskonzepts.

Aufgaben der AG:

  • Umfassende interne Befragung zur Sicherheitslage in allen Bereichen der Verwaltung.
  • Finalisierung einer verständlichen und rechtssicheren Hausordnung.
  • Prozessoptimierung bei Gefährdungsbeurteilungen.
  • Klare Haltung der Verwaltung zu gegenseitigem Respekt und Umgangsformen.

Bisherige Maßnahmen:

  • Begehungen mit der Polizei in publikumsintensiven Bereichen.
  • GISBO-Alarmsystem im Einsatz im Rathaus, in der VHS und bei Außendiensten.
  • Regelmäßige Erfassung und Auswertung von Übergriffen (verbal & physisch).
  • Schulungen und Online-Trainings zur gewaltfreien Kommunikation und Deeskalation.
  • Hausordnung derzeit in juristischer Prüfung.
  • Verwaltungsleitung nimmt am Arbeitsschutzausschuss (ASA) teil.
  • Offizielles Bekenntnis gegen Gewalt und für Respekt durch Bürgermeisterin und Fachbereichsleitungen.

„Wir bleiben weiterhin auf dem Weg für Sicherheit – für alle Mitarbeitenden und für alle Wedelerinnen und Wedeler.“

Präsentation Sicherheit

Katastrophenschutz und Krisenmanagment

TOP 6 – Vorstellung des Innenstadtkonzeptes

Ziel des Innenstadtkonzepts:

  • Attraktivierung und Zukunftssicherung der Innenstadt von Wedel.

  • Strategische Neuausrichtung unter Berücksichtigung von Aufenthaltsqualität, Nutzungsvielfalt und nachhaltiger Entwicklung.

Erarbeitende Instanz:

  • Stadt + Planungsbüro Stadt+Handel, spezialisiert auf Stadtentwicklung und Einzelhandelskonzepte.

Wesentliche Bestandteile des Konzepts:

  1. Analyse des Ist-Zustands:

    • Leerstände und Nutzungsstruktur

    • Frequenz und Passantenverhalten

    • Bewertung der Aufenthaltsqualität

    • Mobilitätsfragen (Parken, Erreichbarkeit)

  2. Stärken und Schwächen:

      • Nähe zur Elbe, Bahnhofsnähe, historischer Stadtkern

    • – Leerstand, mangelnde Aufenthaltsqualität, geringe Frequenz

  3. Ziele und Handlungsfelder:

    • Attraktivitätssteigerung durch Gestaltung öffentlicher Räume

    • Stärkung des Einzelhandels mit Nutzungsmischung und neuen Konzepten

    • Verbesserung der Mobilität (z. B. Fahrradfreundlichkeit)

    • Kultur & Veranstaltungen stärken

    • Bürgerbeteiligung sichern

  4. Konkrete Maßnahmenvorschläge:

    • Gestaltung von Plätzen (z. B. Rolandplatz)

    • Begrünung, Beleuchtung, Möblierung

    • neue Zwischennutzungen leerstehender Immobilien

    • Events und temporäre Aktionen zur Belebung

  5. Nächste Schritte:

    • Priorisierung und Maßnahmenplanung ab 2025

    • Fördermittelakquise (z. B. Städtebauförderung)

    • Beteiligung der Öffentlichkeit und lokaler Akteure (z. B. Händler, Eigentümer, Vereine)

Innenstadtkonzept

TOP 7 – Antrag einer Einwohnerin: Erhalt des Freibads Wedel

Antragstellerin: Silvia Scharfe, Wedel
Datum des Antrags: 26. April 2025

Kernforderung:

  • Moratorium für Abriss- oder Umbauentscheidungen des Freibades
  • Begründung: Die aktuelle Finanzknappheit dürfe nicht zu kurzfristigen und irreversiblen Maßnahmen führen.

Begründung des Antrags:

  • Gesellschaftliche und gesundheitliche Bedeutung:
    • Wichtig für das Schwimmenlernen bei Kindern
    • Prävention von Badeunfällen (Ertrinkungsgefahr)
    • Förderung der Bewegung zur Vermeidung gesundheitlicher Probleme (z. B. Rückenleiden)
  • Standort- und Imagefaktor:
    • Beitrag zur Lebensqualität in Wedel
    • Attraktivitätsfaktor für Neubürger:innen und Unternehmensansiedlungen
    • Werbeargument für Bau- und Immobilienfirmen („Wedel am Wasser“)
  • Finanzierungsvorschläge:
    • Einsparung durch Vermeidung von Abrisskosten
    • Sponsoring durch Bauunternehmen (z. B. Rehder, Adlershorst), Arzneimittelhersteller und Rettungsmittelfirmen (z. B. Secumar)
    • Erhöhung der Eintrittspreise (z. B. für die Sauna)
    • Reduktion von Personalkosten durch Ehrenamtliche und Rentner:innen
    • Flexiblere Öffnungszeiten – wetter- und saisonabhängig
  • Persönliche Betroffenheit:
    • Seit 45 Jahren in Wedel ansässig
    • Familiäre Nutzung des Freibads über Jahrzehnte
    • Kritik am früheren Umbau zur Badebucht
    • Sorge um Alternativen: Elbe und Baggersee gelten als gefährlich aufgrund fehlender Badeaufsicht

Verlauf in der Einwohnerversammlung:

  • Der Antrag wurde nicht verlesen.
  • Die Bürgermeisterin nahm den Vorschlag zur Kenntnis und mit in die Verwaltung.
  • Die Antragstellerin zeigte sich mit dieser Vorgehensweise zufrieden.

TOP 8 – Antrag einer Einwohnerin: Einrichtung eines Runden Tisches zur Beobachtung der Verkehrssituation

Anliegen:

Eine Einwohnerin beantragte die Einrichtung eines Runden Tisches, der sich regelmäßig mit der Verkehrssituation in Wedel befasst. Ziel sei es, Entwicklungen zu beobachten, Probleme frühzeitig zu erkennen und gemeinsam Lösungen zu erarbeiten.

Verlauf in der Einwohnerversammlung:

  • Die Antragstellerin erläuterte ihren Vorschlag persönlich.
  • Der Vorsitzende wies darauf hin, dass in Wedel bereits eine regelmäßige Verkehrsschau stattfindet.
  • Er schlug vor, den „Runden Tisch“ eventuell mit der bestehenden Verkehrsschau zu verbinden.
  • Weitere Fragen zu diesem Thema waren bereits schriftlich beantwortet.

TOP 9 – Fragen & Verschiedenes

1. Fragen zum Abwahlverfahren von Gernot Kaser und zur Spaltung in Wedel

  • Eine Einwohnerin bemängelte, dass ihre Fragen zur „Spaltung Wedels“ und zur Abwahl von Bürgermeister Gernot Kaser bislang unbeantwortet geblieben seien.
  • Sie fragte, ob Herr Kaser nach Abschluss des Disziplinarverfahrens eine Entschuldigung erhalten werde, und rief zu Fairplay auf.
  • Antwort des Stadtpräsidenten:
    • Er habe von Polarisierung, nicht von Spaltung gesprochen.
    • Alle Bürger:innen könnten sich mit ihren Positionen – auch kritischen – einbringen.
    • Zum Disziplinarverfahren könne er sich nicht äußern, da noch keine offizielle Mitteilung der zuständigen Behörde vorliege.

2. Reaktionen auf die Frage zur Entschuldigung

  • Zwei weitere Einwohner machten deutlich, dass sie keine Grundlage für eine Entschuldigung sehen und erläuterten ihre Sichtweise.

3. Thema Facebook und digitale Debattenkultur

  • Ein Einwohner hob die Bedeutung und Reichweite von Facebook hervor und forderte eine verantwortungsvolle Administration.
  • Diese Einschätzung wurde von anderen Teilnehmenden nicht einhellig geteilt; es gab unterschiedliche Meinungen zur Rolle und Regulierung sozialer Medien.

4. Schriftlich eingereichte Fragen

Zusätzlich wurden schriftliche Fragen und Antworten zu folgenden Themen veröffentlicht:

  • Sicherheit von Frauen in Wedel (Fragen von Frau Kremer)
    • Hohe Dunkelziffer häuslicher Gewalt – 686 Fälle im Kreis Pinneberg 2024
    • Frauenhaus in Wedel dauerhaft überlastet
    • Fehlender Wohnraum erschwert Ausstieg aus Gewaltverhältnissen
    • Aktionen zum 25. November und Spendenprojekte durch lokale Unternehmen
    • Viele Hilfs- und Beratungsangebote, u. a. durch Gleichstellungsbeauftragte, Polizei, Frauenberatungsstellen
  • Verkehrssicherheit (Fragen von Frau Kremer)
    • Bahnhofstraße ist Unfallhäufungspunkt für Rad- und Fußverkehr
    • Mangelnde Barrierefreiheit und Querungshilfen wurden benannt
    • Prüfung eines Fußgängerüberwegs in der Mühlenstraße läuft
    • Haushaltslage erschwert größere bauliche Maßnahmen
    • Punktuelle Verbesserungen (z. B. neue Bänke) wurden bereits umgesetzt
  • Stadtwerke – Glasfaser & Fernwärme (Fragen von Herrn Heldt)
    • Glasfaserausbau läuft; Elbstraße 2025 vorgesehen
    • Fernwärmeanschluss für Elbstraße derzeit nicht wirtschaftlich
    • Option besteht über geplante Verbindungsleitung zwischen bestehenden Netzen

 

Sozialer Wohnungsbau unter Druck – Was Schleswig-Holstein jetzt ändern will

Jan Luechau 24. Mai 2025
Keine Kommentare zu “Sozialer Wohnungsbau unter Druck – Was Schleswig-Holstein jetzt ändern will”

Update (19.06.2025): Diskussion im Planungsausschuss zur Präsentation von Dr. Krüger

Im Anschluss an die Präsentation von Dr. Maik Krüger zur sozialen Wohnraumförderung entwickelte sich im Planungsausschuss eine intensive Debatte über die Auswirkungen des Wedeler Infrastrukturfolgekostenkonzepts auf die Förderfähigkeit von Bauprojekten. Dr. Krüger betonte, dass das Land Schleswig-Holstein die Transparenz des Konzepts anerkenne, jedoch Sorgen habe, dass durch die zusätzlichen Kosten – etwa 200 Euro pro Quadratmeter – geförderte Projekte in Wedel an Wirtschaftlichkeit verlieren und somit keine Förderzusage erhalten könnten. Er schlug vor, über eine mögliche Aussetzung der Abgabe zumindest für den geförderten Wohnraum ins Gespräch zu kommen.

Mehrere Fraktionen wiesen diesen Vorschlag zurück oder äußerten Skepsis. Die Grünen und die WSI betonten, dass die Abgabe keinen neuen Kostenblock darstelle, sondern bereits zuvor über städtebauliche Verträge erhoben wurde. Sie verwiesen auf die angespannte Haushaltslage der Stadt und argumentierten, dass Infrastrukturkosten – insbesondere für Kitas und Schulen – weiterhin refinanziert werden müssten. Ein Verzicht auf die Abgabe würde letztlich die Kommune treffen und könnte nur über andere Einnahmequellen, etwa eine Erhöhung der Grundsteuer, kompensiert werden.

Die CDU zeigte sich offener für eine Aussetzung der Abgabe bei sozialem Wohnungsbau, um die Umsetzung wichtiger Projekte nicht zu gefährden. Auch die FDP betonte, dass Fördermaßnahmen des Landes mit ausreichender Gegenfinanzierung einhergehen müssten, da Kommunen viele Aufgaben von Bund und Land ohne ausreichende Mittel übernähmen.

Dr. Krüger hob mehrfach hervor, dass es dem Ministerium nicht darum gehe, Investoren zu entlasten, sondern die Realisierbarkeit von Projekten insgesamt zu sichern – angesichts von Baukosten, die vielerorts bei 5.000 Euro pro Quadratmeter liegen, während die Fördergrenze bei 3.500 Euro angesetzt sei. Besonders in Wedel mit hohen Grundstückspreisen und weiteren Belastungen – etwa durch die Infrastrukturabgabe – werde es zunehmend schwierig, Förderfähigkeit darzustellen. Zwar könne im Einzelfall abgewichen werden, jedoch auf Kosten anderer Projekte im Land.

Der Seniorenbeirat gab zu bedenken, dass allein sozialer Wohnungsbau nicht alle wohnungspolitischen Herausforderungen lösen könne. Einzelne Fraktionen verwiesen auf alternative Kostensenkungsmaßnahmen wie den Verzicht auf Tiefgaragen, autofreie Quartiere oder den Einsatz von Recycling-Beton. Dr. Krüger zeigte sich offen für diese Ideen und verwies auf die Bedeutung des neuen Gebäudetyps „Regelstandard E“ als Instrument zur Kostensenkung.

Insgesamt wurde deutlich: Die soziale Wohnraumförderung ist politisch gewollt, aber finanziell unter Druck. Die Stadt Wedel muss abwägen, ob sie an der Infrastrukturabgabe auch für geförderten Wohnraum festhält – und damit möglicherweise Projekte gefährdet – oder Spielräume für eine Umsetzung unter neuen Rahmenbedingungen zulässt.


Im Planungsausschuss der Stadt Wedel informierte Dr. Maik Krüger am 20. Mai 2025 über die aktuelle Entwicklung der sozialen Wohnraumförderung in Schleswig-Holstein. Der Vortrag machte deutlich: Die Herausforderungen im Wohnungsbau sind gravierend – doch das Land will mit klaren strukturellen Änderungen gegensteuern.

Bis 2035 müssen in Schleswig-Holstein über 100.000 neue Wohneinheiten entstehen. Der Bedarf wächst in allen Regionen, besonders aber im ländlichen Raum. Es fehlt an barrierefreien Wohnungen, an bezahlbarem Wohnraum für junge Familien – und an passenden Angeboten für ältere Menschen, die ihr Einfamilienhaus verlassen möchten, aber in ihrer gewohnten Umgebung bleiben wollen.

Gleichzeitig sind die Rahmenbedingungen auf dem Bau- und Immobilienmarkt so schlecht wie lange nicht mehr: Steigende Baukosten und hohe Zinsen haben die Zahl der Baugenehmigungen einbrechen lassen. Der freifinanzierte Geschosswohnungsbau ist faktisch zum Stillstand gekommen. Die soziale Wohnraumförderung ist damit zu einem der wenigen verbliebenen Werkzeuge geworden, um überhaupt noch bezahlbaren Wohnraum zu schaffen.

Das Land Schleswig-Holstein hat in den Jahren 2023 und 2024 Fördermittel in Höhe von jeweils rund 400 Millionen Euro bereitgestellt – genug, um ca. 4.000 Wohneinheiten zu ermöglichen. Doch schon für 2025 zeigt sich: Die gleiche Summe reicht angesichts der gestiegenen Baukosten nur noch für etwa 1.900 Wohneinheiten. Auch für das Jahr 2026 sind erneut 400 Millionen Euro eingeplant. Die Zahl der geplanten und gemeldeten Projekte ist groß – die Mittel müssen daher strategisch vergeben werden.

Entscheidend ist die enge Abstimmung mit den Kommunen. Förderanträge setzen voraus, dass das Projekt auf einer sogenannten Vorhabenliste der Kommune steht und eine offizielle Stellungnahme vorliegt. Erst dann können Gespräche mit der Investitionsbank Schleswig-Holstein (IB.SH) und der ARGE geführt werden. Förderfähig sind Bauvorhaben mit 6 bis 80 Wohneinheiten, bei denen maximal 70 % der Wohnungen öffentlich gefördert werden. Technisch soll sich der Bau am Regelstandard orientieren – also keine überhöhten Komfortansprüche, sondern pragmatische Mindestanforderungen.

Ein zentraler Ansatz ist dabei das Modell des „Regelstandards E“ – E steht für „Erleichtertes Bauen“. Ziel ist es, die Baukosten durch einen klaren Verzicht auf überzogene technische Anforderungen spürbar zu senken. Nur so, das wurde im Ausschuss deutlich, können Projekte überhaupt noch realisiert werden. Oder wie es Prof. Walberg von der ARGE auf den Punkt brachte: „Entweder wir bauen anders – oder gar nicht mehr.“

Kommentar

Als Kommune müssen wir uns ehrlich machen: Wenn wir am bisherigen Anspruchsniveau festhalten, wird in absehbarer Zeit gar nicht mehr gebaut. Die neuen Förderbedingungen zwingen uns, zwischen Perfektion und Realisierbarkeit zu wählen. Das ist unbequem – aber auch notwendig. Der Regelstandard E ist kein Rückschritt, sondern ein pragmatischer Rettungsanker. Entscheidend wird sein, dass Qualität nicht mit Übermaß verwechselt wird – und dass die soziale Durchmischung auch unter einfacheren Standards gelingt.

Weitere Informationen:

  • Land SH: Soziale Wohnraumförderung
  • Präsentation von Dr. Krüger (PDF)

Ausschusswoche: Wichtige Themen auf der Tagesordnung

Jan Luechau 16. Mai 2025
Keine Kommentare zu “Ausschusswoche: Wichtige Themen auf der Tagesordnung”

In der Woche vom 20. bis 26. Mai 2025 tagen alle fünf Fachausschüsse der Stadt Wedel. Die Einladungen und Zusammenfassungen zu allen Sitzungen finden Sie hier:

  • Planungsausschuss (20. Mai)
  • Sozialausschuss (20. Mai)
  • Ausschuss für Bildung, Kultur und Sport (21. Mai)
  • Umwelt-, Bau- und Feuerwehrausschuss (22. Mai)
  • Haupt- und Finanzausschuss (26. Mai)

Aus meiner Sicht besonders wichtig:

  • Freigabe eines Sperrvermerks im Bereich Allgemeine Ordnungsangelegenheiten im Gewerbeamt (HFA)
    Die Verwaltung warnt vor weiteren Rückständen und Verzögerungen. Es geht um Kontrollen, Genehmigungen und Funktionsfähigkeit im Alltag.
  • Ausbau der Straße Breiter Weg – Prüfauftrag vom 27.06.2024 (UBF)
    Der Versuch, eine alternative Verkehrsplanung mit stärkerem Fokus auf Baumschutz und Radverkehr zu prüfen, ist laut Verwaltung gescheitert.
  • Beratung zur Anwendung des Folgekostenkonzepts soziale Infrastrukturen auf den geförderten Wohnungsbau (PLA)
    Hier entscheidet sich, wie konsequent das Konzept angewendet werden soll – und welche Auswirkungen das auf bezahlbaren Wohnraum haben könnte.

Einwohnerversammlung und öffentliche Stellungnahme

Auch die Einwohnerversammlung am 13. Mai war gut besucht. In Kürze folgt auf dieser Seite eine Zusammenfassung der wichtigsten Themen.

Eine dort angekündigte kritische Frage zur Art meiner Berichterstattung habe ich inzwischen öffentlich beantwortet. Ich dokumentiere politische Aussagen und Kommunikationskultur – und ich halte es für selbstverständlich, auch auf Kritik offen und sachlich zu reagieren.

"Wedel ist nicht nur Krise. Wedel ist auch Potenzial."

Jan Luechau 07. Mai 2025
Keine Kommentare zu “"Wedel ist nicht nur Krise. Wedel ist auch Potenzial."”

Ein Kommentar zur aktuellen Debatte um das Image unserer Stadt, inspiriert durch den lesenswerten Artikel von Jan Melchior Bonacker im sh:z – und die sehr unterschiedlichen Reaktionen darauf.
Ich nehme Stellung zu den Kommentaren von Niels Schmidt und Rosemarie Binz-Vedder und ordne ein, worum es geht:
👉 Um Verantwortung.
👉 Um Debattenkultur.
👉 Um unsere Stadt.

➡️ Zum Artikel:
🔗 shz.de – "Darum ist Wedel nicht so schlimm"
💬 Facebook-Diskussion in der Gruppe „Wedel Germany“
📰 Mein Kommentar auf wedel-politik.de 

Einwohnerversammlung, Ratsthemen – und bald: Aufarbeitung zur Abwahl von Gernot Kaser

Jan Luechau 30. April 2025
Keine Kommentare zu “Einwohnerversammlung, Ratsthemen – und bald: Aufarbeitung zur Abwahl von Gernot Kaser”

Die politische Woche in Wedel hat es in sich. Auf wedel-politik.de finden Sie aktuell:

🗣 Alle Informationen zur Einwohnerversammlung am 13. Mai

Am Dienstag, den 13. Mai 2025, lädt Stadtpräsident Julian Fresch zur nächsten Einwohnerversammlung in den Ratssaal des Rathauses. Zwei Themen stehen bereits fest: Haushaltssicherung bis 2028 und Sicherheit in Wedel. Wer darf teilnehmen, wie funktioniert die Beteiligung und was ist zu beachten?

👉 Einwohnerversammlung am 13. Mai – Stadtpräsident lädt in den Ratssaal ein

🧾 Was der Rat am 08. Mai beraten wird

Die Einladung zur Ratssitzung liegt vor – mit allwn relevanten Tagesordnungspunkten. In meiner Zusammenfassung finden Sie alle wichtigen Punkte, kompakt und verständlich erklärt.

👉 Zusammenfassung der Ratssitzung vom 08. Mai 2025

🧨 Demnächst: Warum Gernot Kaser abgewählt wurde – Klartext zur Vertrauensfrage

Ein Jahr nach dem Bürgerentscheid erscheint in Kürze ein ausführlicher Beitrag zur Abwahl des ehemaligen Bürgermeisters Gernot Kaser. Der Artikel basiert auf offiziellen Ratsdokumenten, Personalratsäußerungen, Presseberichten und eigenen Einblicken aus der Ratsarbeit.

  • 🔍 Vom Arbeitsklima bis zur Untreue: Was dokumentiert ist
  • 🧠 Wie sich politische Kommunikation von Realität entkoppelt
  • 🔎 Transparenz als Anspruch – und als politische Inszenierung

👉 Veröffentlichung in Kürze auf: wedel-politik.de

📧 Wer nichts verpassen möchte, kann den Newsletter abonnieren: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.

Herzliche Grüße
Jan Lüchau

  1. Einwohnerversammlung am 13. Mai – Stadtpräsident lädt in den Ratssaal ein
  2. Wenn Kritik zur Waffe wird – und Debatten zur Bühne für persönliche Angriffe
  3. Jetzt erst recht: Warum öffentliche Debatte mehr braucht als laute Empörung
  4. Wenn Kritik zur persönlichen Abrechnung wird

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