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Wedels Wirtschaft im Wandel: Zwischen Weltmarktführern und Planungs-Odyssee

Jan Luechau 18. April 2026
Keine Kommentare zu “Wedels Wirtschaft im Wandel: Zwischen Weltmarktführern und Planungs-Odyssee”

Zwei aktuelle Berichte im Hamburger Abendblatt zeigen uns in diesen Tagen sehr deutlich, wie eng wirtschaftlicher Erfolg und die Verfügbarkeit von Flächen in unserer Stadt miteinander verknüpft sind. Es ist eine Geschichte von verpassten Chancen der Vergangenheit, einer zähen Odyssee und einem wichtigen Hoffnungsschimmer am Elbufer.

Ein schmerzhafter Rückblick: Das Beispiel Secumar

Die Firma Secumar (Bernhardt Apparatebau) feiert 2026 ihr 100-jähriges Bestehen. Ein beeindruckendes Jubiläum für ein Familienunternehmen, das mit seinen Rettungswesten weltweit Standards setzt und Leben rettet. Doch während wir gratulieren, schwingt in Wedel auch Wehmut mit.

Bis 2004 war Secumar in der Wedeler ABC-Straße ansässig. Dass das Unternehmen heute im benachbarten Holm produziert, hat einen simplen, aber folgenschweren Grund: In Wedel fehlte der Platz zum Wachsen.

  • Das Problem: Die Räumlichkeiten wurden für das expandierende Unternehmen schlicht zu klein.
  • Die Konsequenz: Der Umzug ins Nachdorf Holm, wo man auf einem Hektar Fläche ein modernes Logistik- und Produktionszentrum errichten konnte.

Für Wedel bedeutete das damals den schmerzhaften Verlust eines "Hidden Champions", von wertvollen Arbeitsplätzen und erheblichen Gewerbesteuereinnahmen. Ein klassisches Beispiel dafür, was passiert, wenn eine Stadt keine Entwicklungsperspektiven für ihre Betriebe bietet.

Lichtblick: Neue Ansiedlungen im BusinessPark

Spulen wir vor ins Jahr 2026. Die Vorzeichen haben sich glücklicherweise geändert. Wie das Abendblatt aktuell berichtet, ziehen nun namhafte Hamburger Traditionsunternehmen nach Wedel, weil ihnen in der Hansestadt genau das passiert, was Secumar einst in Wedel erlebte: Es wird zu eng.

Die Firma Lippold, Spezialist für Hydraulik und Antriebstechnik, plant bis Ende 2029 den Umzug aus dem Hamburger Westen in unseren BusinessPark. Mit einer Investition von bis zu 12 Millionen Euro und rund 100 Arbeitsplätzen ist dies ein starkes Signal für den Standort. Auch die Sicherheitsfirma C.D. Büttner investiert Millionen in einen Neubau am Elbufer, um dort an modernster Drohnen-Technologie zu forschen.

Die Kehrseite: Eine 15-jährige Planungs-Odyssee

Wer heute auf den BusinessPark blickt, sieht trotz dieser Erfolge noch immer sehr viel freie Fläche. Dass 15 Jahre nach dem Erwerb des Geländes durch die Stadt erst ein Bruchteil der rund 180.000 m² vermarktet ist, hat Gründe, die wir kritisch benennen müssen:

  • Juristisches Tauziehen: Der ursprüngliche Bebauungsplan (Nr. 88) wurde 2017 vom OVG Schleswig vorläufig außer Vollzug gesetzt. Rechtsunsicherheit ist der natürliche Feind jeder Investition. Hinzu kam die langwierige Auseinandersetzung mit dem konkurrierenden Hamburger Plan „Rissen 11“.
  • Das Erbe der Industrie: Das Gelände des ehemaligen Mineralölwerks war kein einfaches Bauland, sondern eine ökologische Last. Bodenaustausch bis in 1,80 Meter Tiefe und permanente Grundwasserreinigung waren nötig – eine Mammutaufgabe, die enorme Zeit und Kosten verschlang.
  • Politischer Konflikt & Naturgewalten: Hausgemachte politische Auseinandersetzungen bremsten den Fortschritt. Ereignisse wie die Sturmflut 2021, die frisch hergestellte Infrastruktur beschädigte, sowie eine volatile Weltwirtschaftslage erschwerten die Vermarktung zusätzlich.

Die politische Debatte

Ein Blick in die öffentlichen Quellen zeigt deutlich, wie tief die Gräben in der Wedeler Ratsversammlung bezüglich des B-Plans 88 (BusinessPark) waren:

Die politische Debatte: Wer war dafür, wer dagegen?

Die Kritiker und Ablehner (SPD, Grüne, Die Linke) standen der konkreten Ausgestaltung des B-Plans 88 sehr kritisch gegenüber. Während Die Linke den Plan wegen zu hoher Lärmgrenzen ablehnte und das spätere OVG-Urteil als „schallende Ohrfeige“ bezeichnete, bemängelten die Grünen Lärm, Verkehr und Dichte als „Desaster“. Auch die SPD stimmte in der entscheidenden Sitzung 2015 gegen den Plan und warnte davor, dass aus dem „Sahnestück“ ein „krümeliger Mürbeteig“ werden könnte.

Demgegenüber standen die Parteien, die den B-Plan getragen und verteidigt haben: CDU, FDP und WSI. Die CDU trug den Entwurfs- und Satzungsbeschluss konsequent mit und warb dafür, den BusinessPark geschlossen zu vertreten, um die wirtschaftliche Entwicklung Wedels zu sichern. Gemeinsam mit der FDP und der Wählergemeinschaft WSI bildete sie die Ratsmehrheit, die den B-Plan 88 als das richtige Instrument zur Entwicklung des Areals ansah und trotz der massiven Bedenken der Opposition durchsetzte.

Warum Vorratspolitik alternativlos bleibt

Trotz der berechtigten Kritik an der Dauer und den Kosten: Ohne den BusinessPark Elbufer stünde Wedel heute mit leeren Händen da. Wir könnten Firmen wie Lippold oder Büttner schlichtweg nichts anbieten.

Status Quo BusinessPark Zahlen & Fakten
Gesamtfläche (Bauland) ca. 180.000 m²
Bisher verkauft/belegt ca. 20.000 m²
In konkreter Verhandlung ca. 15.000 m²
Investitionsvolumen Lippold 9 - 12 Mio. €
"Gewerbeflächen sind kein Selbstzweck. Sie sind der Garant dafür, dass Wedel keine reine Schlafstadt wird, sondern ein Ort, an dem gearbeitet, geforscht und investiert wird."

Die Geschichte von Secumar lehrt uns, was passiert, wenn man keine Flächen hat. Die Geschichte des BusinessParks lehrt uns wiederum, dass wir in Zukunft schneller, einiger und rechtssicherer planen müssen, damit aus 15 Jahren Entwicklung keine 30 werden.

Mein Fazit: Gewerbeflächen sind die Existenzgrundlage unserer Stadt. Wir müssen die Vermarktung jetzt mit aller Kraft vorantreiben, bürokratische Hürden abbauen und zeigen, dass Wedel ein verlässlicher Partner für die Wirtschaft ist. Der "Sog" aus Hamburg ist da – wir müssen ihn nur endlich konsequent nutzen.

Was denken Sie?

War die Entscheidung für den BusinessPark trotz der langen Verzögerungen richtig? Oder hätte die Stadt das Risiko der Altlasten nie eingehen dürfen? Ich freue mich

Neue Straßenreinigungsgebühren: Grundsatzentscheidung für Wedel steht bevor

Jan Luechau 16. April 2026
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Im kommenden Haupt- und Finanzausschuss berät die Wedeler Politik über das weitere Vorgehen bei der Straßenreinigungs- und Gebührensatzung. Da das Oberverwaltungsgericht die bisherige Satzung für unwirksam erklärt hat, müssen nun zeitnah rechtssichere Grundlagen für die Erhebung der Gebühren geschaffen werden. Die Verwaltung schlägt hierfür eine neue Satzung vor, die rückwirkend zum 1. Juli 2023 in Kraft treten soll.

Ein zentraler Punkt der anstehenden Beratungen ist die Ausgestaltung des sogenannten Schlechterstellungsgebots für das Jahr 2026. Hier muss entschieden werden, ob eine technisch aufwendige zeitanteilige Berechnung erfolgt oder eine verwaltungsfreundlichere ganzjährige Lösung gewählt wird, um Verzögerungen bei der Bescheiderstellung zu vermeiden. 

[Zum vollständigen Artikel]

Warum ich den CDU-Fraktionsvorsitz zur Verfügung stelle

Jan Luechau 12. April 2026
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Update vom 12. April 2026

Nach der Verabschiedung des Wedeler Doppelhaushalts 2026/27 und dem damit verbundenen Kurswechsel innerhalb der CDU-Fraktion habe ich persönliche Konsequenzen gezogen: Ich stelle meinen Posten als Fraktionsvorsitzender zur Verfügung.

Mein Ziel in den vergangenen Monaten war ein harter, konsequenter Sparkurs, um unsere Stadt finanziell wieder auf ein solides Fundament zu stellen. Die Mehrheit unserer Fraktion hat sich jedoch im Zuge der Haushaltsberatungen letztlich für einen deutlich weicheren Kompromiss und stark abgemilderte Sparziele entschieden. Diese Entscheidung trage ich formell mit, halte sie persönlich aber nicht für weitreichend genug.

Daher ist es für mich der einzig logische Schritt, die Fraktionsführung in die Hände von jemandem zu legen, der diesen neu eingeschlagenen Weg aus voller Überzeugung vertritt. Gleichzeitig möchte ich klarstellen: Ich laufe nicht weg. Ich werde mein Mandat bis 2028 weiterhin mit vollem Einsatz für die CDU ausüben. Die Entscheidung über das weitere Vorgehen fällt voraussichtlich in der morgigen Fraktionssitzung am 13. April.

Sie möchten mehr über meine Beweggründe erfahren?

Eine ausführliche Einordnung der Ereignisse und meine Gedanken zu den turbulenten letzten Wochen lesen Sie in meinem neuen Meinungsartikel:

Zum ausführlichen Meinungsartikel »

Die 15-Millionen-Euro-Chance: Warum Wedel beim Sondervermögen auf Vernunft statt auf Wünsche setzen sollte

Jan Luechau 05. April 2026
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15,2 Millionen Euro – so hoch ist die Summe, die die Stadt aus dem neuen „Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität“  des Bundes erwarten kann. Während die Summe auf den ersten Blick wie ein warmer Regen wirkt, ist die entscheidende Frage nicht, wie viel wir bekommen, sondern wie wir es einsetzen. Die Verwaltung hat bereits eine klare Richtung vorgegeben: Die Mittel, die in zwölf Tranchen fließen sollen, sollen investiv verbucht werden und zur Minderung von Krediten dienen.

In der aktuellen Haushaltslage Wedels ist dies nicht nur eine Option: Es ist die einzig verantwortungsvolle Strategie.

Der Blick in die Bücher: Eine Bilanz der Defizite

Um zu verstehen, warum die Strategie der Verwaltung alternativlos ist, hilft ein Blick in den aktuellen Haushaltsentwurf 2026/2027. Der Ergebnisplan (die „Erfolgsrechnung“ der Stadt) weist für 2026 einen Fehlbetrag von rund 12,9 Millionen Euro aus. Noch dramatischer ist die Lage im Finanzplan, der die tatsächlichen Zahlungsströme abbildet.

Die Planung sieht vor, dass der Finanzmittelbestand bis Ende 2026 auf minus 32,1 Millionen Euro sinkt und bis 2028 sogar die Marke von minus 51,6 Millionen Euro erreichen könnte. In dieser Situation bedeutet jeder Euro an neuen Investitionen, der nicht durch Zuweisungen wie das Sondervermögen gedeckt ist, eine Erhöhung der Neuverschuldung.

Alternative Szenarien: Verlockung vs. Realität

Was aber, wenn Wedel einen anderen Weg einschlagen würde? Betrachten wir zwei denkbare Alternativen:

Das „Wunschzettel-Szenario“ (Zusätzliche Projekte):

Man könnte die 15,2 Millionen Euro nutzen, um Projekte umzusetzen, die bisher gar nicht im Haushalt stehen – etwa eine neue Sportstätte oder zusätzliche Klimaschutzmaßnahmen.

  • Die Folge: Da die Baupreise und später auch die Unterhaltskosten (Personal, Energie, Wartung) steigen, würde dies das strukturelle Defizit im Ergebnisplan langfristig weiter aufblähen. Ohne die Kreditminderung aus dem Sondervermögen bliebe die Verschuldung für die bereits geplanten Pflichtaufgaben (wie die Schulsanierungen) auf Rekordniveau.

Fazit: Investive Vernunft als oberstes Gebot

Das Sondervermögen ist kein Freibrief für neue Ausgabenorgien. Es ist eine dringend benötigte Finanzierungshilfe für den massiven Sanierungsstau, den Wedel bereits vor sich her schiebt.

Wenn die Verwaltung vorschlägt, die Mittel zur Kreditminderung einzusetzen, dann ist das ein Bekenntnis zur finanziellen Nachhaltigkeit. Es sorgt dafür, dass die ohnehin geplanten und notwendigen Investitionen in unsere Schulen und Brücken die Stadt nicht tiefer in die Zinsfalle treiben. Andere Möglichkeiten mögen politisch charmanter klingen, würden aber angesichts eines geplanten Kassenkredits von über 50 Millionen Euro im Jahr 2028 den finanziellen Kollaps nur beschleunigen.

Für Wedel kann es nur eine Devise geben: Das Sondervermögen nutzen, um das Bestehende zu sichern und die Schuldenlast von morgen zu drücken. Alles andere wäre finanzpolitischer Blindflug.

Kommunale Haushalte im „freien Fall“: Städtetag fordert Milliarden-Soforthilfe

Jan Luechau 22. März 2026
Keine Kommentare zu “Kommunale Haushalte im „freien Fall“: Städtetag fordert Milliarden-Soforthilfe”

Die finanzielle Situation der deutschen Städte und Gemeinden hat sich dramatisch verschärft. In einer aktuellen Stellungnahme nach der Präsidiumssitzung in Zwickau warnt der Deutsche Städtetag vor einem Kollaps der kommunalen Finanzen und fordert vom Bund eine sofortige Finanzspritze in Rekordhöhe.

Der Absturz in die roten Zahlen

Noch im Jahr 2022 konnten die Kommunen in der Summe ein Plus verzeichnen. Doch innerhalb kürzester Zeit hat sich das Blatt gewendet. Die Defizite wachsen in einem besorgniserregenden Tempo:

  • 2023: 6 Milliarden Euro Defizit

  • 2024: 24 Milliarden Euro Defizit

  • 2025/2026: Prognostiziert jeweils über 30 Milliarden Euro Defizit

Städtetags-Präsident Burkhard Jung (Leipzig) findet deutliche Worte: „Die städtischen Haushalte sind im freien Fall.“ Diese Rekorddefizite seien nicht durch lokales Missmanagement entstanden, sondern das Ergebnis von Aufgaben, die den Städten von Bund und Ländern übertragen wurden, ohne für eine ausreichende Gegenfinanzierung zu sorgen.

Die Forderung: 30 Milliarden Euro Soforthilfe

Um den drohenden Zusammenbruch abzuwenden, fordert der Städtetag eine jährliche Soforthilfe von 30 Milliarden Euro, beginnend mit dem nächsten Bundeshaushalt.

Der konkrete Vorschlag zur Umsetzung: Der Anteil der Kommunen am staatlichen Umsatzsteueraufkommen soll vorübergehend massiv angehoben werden. Aktuell erhalten die Kommunen lediglich 2,8 % der Umsatzsteuer. Der Städtetag fordert eine Erhöhung um 10 Prozentpunkte auf 12,8 %. Dies würde den Städten genau den Spielraum verschaffen, den sie benötigen, um ihre laufenden Defizite zu decken.

Die Ursachen: Sozialkosten und „Bestellerprinzip“

Haupttreiber der Misere sind die stetig steigenden Sozialkosten. Zudem belasten staatliche Leistungsausweitungen, die auf Bundes- oder Landesebene beschlossen werden, die kommunalen Kassen einseitig. Hauptgeschäftsführer Christian Schuchardt betont daher eine zentrale Forderung:

„Der einfache Grundsatz ‚Wer bestellt, muss auch bezahlen‘ muss wieder ohne Wenn und Aber gelten.“

Was droht den Bürgerinnen und Bürgern vor Ort?

Wenn Bund und Länder nicht zügig gegensteuern, werden die Folgen in den Städten unmittelbar spürbar sein. Der Städtetag warnt vor:

  1. Explodierenden Schuldenständen, die künftige Generationen belasten.

  2. Erhöhungen der Hebesätze bei der Grundsteuer und Gewerbesteuer.

  3. Drastischen Leistungseinschnitten in fast allen Bereichen – von der Kultur über den Sport bis hin zur Instandhaltung der Infrastruktur.

Hoffnung auf den „Zukunftspakt“?

Zwar startet im März der im Koalitionsvertrag angekündigte „Zukunftspakt“ zwischen Bund, Ländern und Kommunen, doch die Skepsis ist groß. Bisher spielen die kritischen Finanzierungsfragen auf der Agenda offenbar eine untergeordnete Rolle. Der Städtetag mahnt an, dass eine faire Aufgaben- und Finanzverteilung „Priorität 1“ haben müsse. Aktuell leisten die Kommunen zwar ein Viertel aller staatlichen Ausgaben, erhalten aber nur ein Siebtel der Steuereinnahmen.

  1. Viel Lärm um eine geschlossene Tür: Wie der Seniorenbeirat das Wedeler Rathaus „zurückeroberte“
  2. „Ausfertigungschaos“ in Wedel: Oberverwaltungsgericht kippt Straßenreinigungssatzung
  3. Die Anatomie des Niedergangs: Warum Wedels „Alltag“ die Stadt auffrisst
  4. 5,1 Millionen Euro Einsparung – Ein Tropfen auf den heißen Stein

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