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Kreis Pinneberg: Land genehmigt Haushalt nur mit Auflagen

Jan Luechau 02. Januar 2026
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Haushalt 2025/2026 genehmigt – aber politisch unter Vorbehalt

Das Land Schleswig-Holstein hat den 1. Nachtragshaushalt des Kreises Pinneberg für die Jahre 2025 und 2026 genehmigt. Die Genehmigung erfolgte am 16. Dezember 2025 durch das zuständige Innenministerium und ist seit dem 18. Dezember 2025 rechtskräftig.

Die Zustimmung ist jedoch keine Entwarnung. Das Ministerium stellt ausdrücklich fest, dass die dauernde Leistungsfähigkeit des Kreises nicht gegeben ist. Entsprechend ist die Genehmigung mit Auflagen und Einschränkungen verbunden.

Defizite wachsen trotz höherer Kreisumlage

Mit dem Nachtragshaushalt erhöht sich der Jahresfehlbetrag für 2025 auf rund 54,5 Millionen Euro. Für 2026 verschärft sich die Lage deutlich: Trotz einer Erhöhung des Kreisumlagesatzes um 2 Prozentpunkte auf 31,5 % steigt der Jahresfehlbetrag auf rund 87,3 Millionen Euro.

In der mittelfristigen Finanzplanung wachsen die Fehlbeträge weiter – bis auf rund 110,7 Millionen Euro im Jahr 2029. Das Innenministerium bezeichnet die Entwicklung als „außerordentlich prekär“ und fordert einen strengen Konsolidierungskurs, insbesondere im laufenden (nicht-investiven) Bereich.

Kreditaufnahme 2026 begrenzt – Investitionen geraten unter Druck

Für das Haushaltsjahr 2025 genehmigte das Land den geplanten Gesamtbetrag der Kredite vollständig. Für 2026 erfolgt dagegen eine spürbare Einschränkung: Von ursprünglich vorgesehenen 37.527.000 Euro an Krediten wurden nur 30.000.000 Euro genehmigt. Damit wird der Kreditbedarf um 7.527.000 Euro gekürzt.

Nach Darstellung des Kreises kann diese Kürzung voraussichtlich durch Mittel aus dem Sondervermögen des Bundes kompensiert werden. Diese Mittel waren zum Zeitpunkt der Haushaltsaufstellung jedoch noch nicht veranschlagungsreif. Sobald die Landesförderrichtlinie vorliegt, sollen die Zuweisungen beantragt werden. Sie würden den Kreditbedarf direkt verringern und damit die Genehmigungsauflage erfüllen.

Personalentwicklung als zentrales Warnsignal

Deutlich kritisch äußert sich das Land zur Entwicklung der Stellenzahlen. Zwar wird die Gesamtzahl der Stellen gegenüber dem Ursprungshaushalt gesenkt, gleichzeitig steigt die Stellenzahl im Jahr 2026 dennoch um rund 7 Stellen gegenüber 2025.

Besonders auffällig: Seit 2019 ist die Zahl der Stellen um rund 366 gestiegen – das entspricht etwa 46 %. Das Innenministerium hält hier einen Kurswechsel für erforderlich und verweist auf die Notwendigkeit einer echten Zweck- und Vollzugskritik, um die Stellenentwicklung nachhaltig zu begrenzen.

Folgen für Städte und Gemeinden im Kreis

Die Haushaltslage des Kreises bleibt nicht ohne Auswirkungen auf die kreisangehörigen Kommunen. Die höhere Kreisumlage führt zu zusätzlichen Belastungen in den Haushalten von Städten und Gemeinden – auch dort, wo selbst bereits Konsolidierungsdruck besteht.

Zugleich macht das Land deutlich, dass dem Kreis auch in den Folgejahren keine uneingeschränkten Kreditgenehmigungen in Aussicht gestellt werden können. Damit steigt der Druck, Investitionen strenger zu priorisieren und laufende Ausgaben dauerhaft zu begrenzen.

Berichtspflicht bis 30. Juni 2026 – Konsolidierung wird überprüft

Die Genehmigung ist mit einer weiteren zentralen Auflage verbunden: Der Kreis muss dem Innenministerium bis zum 30. Juni 2026 berichten, welche Konsolidierungsmaßnahmen seit dem Kreistagsbeschluss am 10. Dezember 2025 beschlossen und umgesetzt wurden – einschließlich ihrer finanziellen Auswirkungen.

Damit ist die Haushaltsgenehmigung nicht nur ein formaler Schritt zur Sicherung der Handlungsfähigkeit. Sie ist zugleich ein klares Signal: Ohne weitere strukturelle Maßnahmen drohen künftig strengere Auflagen – mit spürbaren Folgen für Investitionen, Leistungen und die finanzielle Belastung der Kommunen im Kreis Pinneberg.

Quelle

Mitteilung MV/FD-11/2025/769 (Kreis Pinneberg) vom 17.12.2025 und Genehmigungserlass des Ministeriums für Inneres, Kommunales, Wohnen und Sport vom 16.12.2025.

Erste Ausschusswoche 2026: Fokus auf Haushalt und Finanzen

Jan Luechau 01. Januar 2026
Keine Kommentare zu “Erste Ausschusswoche 2026: Fokus auf Haushalt und Finanzen”

Zu Beginn des neuen Jahres wünsche ich allen Leserinnen und Lesern ein frohes, gesundes und erfolgreiches neues Jahr.

Mit der Kalenderwoche 3 startet ab Montag, dem 13. Januar, die erste Ausschusswoche des Jahres 2026 in Wedel. Inhaltlich steht sie unter dem erwartbaren, aber zentralen Schwerpunkt Haushalt. Nach den intensiven Beratungen zum Doppelhaushalt richtet sich der Blick nun auf die politische Arbeit im laufenden Jahr.

Auftakt ins politische Jahr 2026

Mit der Kalenderwoche 3 beginnt ab Montag, dem 13. Januar, die erste Ausschusswoche des Jahres. Bereits jetzt zeichnet sich ab, dass der städtische Haushalt und die finanzielle Lage Wedels einen zentralen Schwerpunkt der Beratungen bilden werden.

Die konkreten Tagesordnungen der Ausschüsse liegen derzeit noch nicht vor. Inhaltliche Details werden daher erst in den kommenden Tagen bekannt. Unabhängig davon ist absehbar, dass die Haushaltslage, die Umsetzung des Doppelhaushalts sowie Fragen der weiteren finanziellen Steuerung und Konsolidierung das politische Geschehen zu Jahresbeginn maßgeblich prägen werden.

Die erste Ausschusswoche markiert damit einen wichtigen Startpunkt für das kommunalpolitische Jahr 2026. Sie gibt den Rahmen vor für die weiteren Debatten über finanzielle Prioritäten, Handlungsspielräume und notwendige Entscheidungen in den kommenden Monaten.


Kreisumlage steigt: Wedel muss Millionen zusätzlich zahlen

Jan Luechau 30. Dezember 2025
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Der Pinneberger Kreistag hat am 11. Dezember 2025 eine Entscheidung getroffen, die die Finanzplanung der kommenden Jahre maßgeblich beeinflussen wird. Mit der Verabschiedung des Nachtragshaushalts wurde der Hebesatz der Kreisumlage von bisher 29,5 % auf 31,5 % angehoben. Dieser Schritt ist eine Reaktion auf die prekäre Haushaltslage des Kreises, dem ohne Gegensteuerung ein finanzieller Kollaps drohte. Allein für das Jahr 2025 wird ein Fehlbetrag von 55,4 Millionen Euro erwartet, der im Jahr 2026 auf fast 86 Millionen Euro ansteigen könnte.

Hintergründe und ökonomische Ursachen

Die Kreisumlage ist das zentrale Instrument, mit dem Kreise ihren Finanzbedarf decken, da sie im Gegensatz zu Städten über keine eigenen bedeutenden Steuereinnahmen verfügen. Grundlage für die Zahlung ist die lokale Steuerkraft der Kommunen. Jede Steigerung der Gewerbe- oder Grundsteuereinnahmen vor Ort führt somit automatisch zu höheren Abführungen an den Kreis.

Die Ursachen für die aktuelle Schieflage sind vielschichtig. Als Hauptkostentreiber gelten explodierende Ausgaben in der Jugendhilfe sowie steigende Soziallasten. Ein strukturelles Problem ist dabei die Unterfinanzierung durch Bund und Land: Der Kreis leistet Transferzahlungen für Sozialleistungen, die jedoch nur zu etwa 75 % gegenfinanziert sind. Jährlich muss der Kreis Pinneberg daher rund 150 Millionen Euro aus eigenen Mitteln – also aus der Kreisumlage – zuschießen. Da die Finanzen im Kreis Pinneberg alarmierende Zahlen aufweisen, sah die Politik keine Alternative zur Erhöhung.

Auswirkungen auf die Stadt Wedel

Für die Stadt Wedel hat die Anhebung des Hebesatzes unmittelbare Konsequenzen. Jährlich entstehen der Stadt dadurch Mehrkosten von rund 1,1 Millionen Euro. Insgesamt wird Wedel im Jahr 2026 voraussichtlich 17,3 Millionen Euro an den Kreis abführen müssen. Bürgermeisterin Julia Fisauli-Aalto bezeichnete den Beschluss als „fatalen Schlag“ für die Stadt.

Die Belastung trifft Wedel zu einem kritischen Zeitpunkt. Die Stadt befindet sich bereits in einem harten Prozess zur Haushaltskonsolidierung 2028, um ein eigenes Defizit von prognostizierten 11,7 Millionen Euro für das Jahr 2026 abzufangen. Die zusätzliche Umlage konterkariert diese lokalen Sparbemühungen und schränkt den Spielraum für notwendige Investitionen in Schulen und Infrastruktur weiter ein. Da Wedel mittendrin in dieser fiskalischen Zange steckt, wächst der politische Druck im Rathaus.

Widerstand der Kommunen und rechtliche Aspekte

Gegen die Erhöhung regte sich bereits im Vorfeld geschlossener Widerstand auf kommunaler Ebene. 13 Bürgermeister und Amtsdirektoren unterzeichneten eine Resolution, in der sie forderten, dass der Kreis zunächst eigene Sparpotenziale voll ausschöpfen müsse. Kritisiert wurde insbesondere, dass der Kreis seine Rücklagen nahezu vollständig aufgezehrt hat und nun die Kommunen als Puffer nutzt.

Rechtlich unterliegt die Festsetzung der Kreisumlage dem Gebot der Rücksichtnahme. Der Kreis muss die Belange der Gemeinden gegen seinen eigenen Finanzbedarf abwägen. In anderen Bundesländern führten vergleichbare Fälle bereits zu erfolgreichen Klagen von Kommunen gegen zu hohe Umlagesätze. Sollte der Klageweg beschritten werden, müsste gerichtlich geprüft werden, ob der Kreis die Finanzlage der Städte bei seiner Abwägung ausreichend berücksichtigt hat.

Zusammenfassung
Die Erhöhung der Kreisumlage auf 31,5 % belastet den Wedeler Haushalt jährlich mit zusätzlich 1,1 Millionen Euro. Ursächlich für die Maßnahme ist ein strukturelles Defizit im Kreishaushalt, das vor allem durch unzureichend finanzierte Sozialleistungen und steigende Kosten in der Jugendhilfe entsteht. Für Wedel bedeutet dies eine erhebliche Erschwerung der laufenden Haushaltskonsolidierung bei gleichzeitig hohem Investitionsbedarf.

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Wedel vor harten Entscheidungen: Haushalt, Steuern und strukturelle Defizite

Jan Luechau 29. Dezember 2025
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Die vergangenen Wochen waren für die Wedeler Kommunalpolitik geprägt von intensiven Haushaltsberatungen, zusätzlichen Sitzungen und mehreren Entscheidungen mit langfristiger Tragweite. Zwischen Steuererhöhungen, Notfallausgaben und offenen Konsolidierungsfragen verdichtet sich ein Bild, das den finanziellen Handlungsdruck der Stadt deutlich macht.

Grundsteuer steigt, Einnahmestruktur gerät unter Druck

Der Rat der Stadt Wedel hat am 11. Dezember die Anhebung der Grundsteuer B von bislang 519 Prozent auf 630 Prozent ab dem Jahr 2026 beschlossen. Die Maßnahme soll Mehreinnahmen von rund 1,29 Millionen Euro pro Jahr bringen und ist Teil der aktuellen Haushaltsstrategie.

Grundsteuer B: Wieder mehr Geld – ohne die Ursachen zu lösen

Parallel dazu zeigt sich eine strukturelle Verschiebung auf der Einnahmenseite: Die Einkommensteuer ist inzwischen die wichtigste Einnahmequelle der Stadt. Problematisch ist jedoch der langfristig sinkende Verteilungsschlüssel. Wäre dieser noch auf dem Stand von 2005, lägen die Einnahmen heute im zweistelligen Millionenbereich höher. Dieser Umstand entzieht sich weitgehend dem kommunalen Einfluss, verschärft aber die Haushaltslage zusätzlich.

Entwicklung des Einkommensteueranteils in Wedel

Aufwandsentschädigungen: Sparvorschlag ohne Mehrheit

Aufgrund neuer landesrechtlicher Vorgaben mussten die Aufwandsentschädigungen für ehrenamtliche Kommunalpolitiker neu geregelt werden. Die Verwaltung schlug eine Deckelung auf 55 Prozent der gesetzlichen Höchstsätze vor, um eine kostenneutrale Umsetzung zu gewährleisten.

Die CDU-Fraktion beantragte darüber hinaus eine Absenkung auf 48 Prozent, verbunden mit dem Ziel, einen eigenen Konsolidierungsbeitrag von rund 20.000 Euro jährlich zu leisten. Dieser Antrag fand im Rat jedoch keine Mehrheit. Alle anderen Fraktionen stimmten dagegen, sodass es bei der verwaltungsseitigen, kostenneutralen Anpassung bleibt.

Aufwandsentschädigungen in Wedel: CDU beantragt Absenkung

Notfall kurz vor Weihnachten: 1,7 Millionen Euro außerplanmäßig

In einer außerordentlichen Ratssitzung am 22. Dezember musste kurzfristig über die Bereitstellung von 1,7 Millionen Euro an überplanmäßigen Mitteln entschieden werden. Auslöser war unter anderem ein akuter Schimmelbefall an der Albert-Schweitzer-Schule, der eine sofortige Sanierung erforderlich machte. Allein hierfür wurden 500.000 Euro angesetzt, um den Schulbetrieb nach den Weihnachtsferien sicherzustellen.

Die Finanzierung erfolgt durch Mittelverschiebungen innerhalb des Haushalts, unter anderem aus Personalbudgets. Der Vorgang verdeutlicht, wie anfällig der städtische Haushalt inzwischen auf unvorhergesehene Ereignisse reagiert.

Ratssitzung am 22. Dezember 2025

Badebucht: Fördermittel und Standortfrage

Parallel dazu treibt die Stadt die Planungen zur Zukunft der Badebucht Wedel voran. Wedel bewirbt sich um Bundesfördermittel von bis zu acht Millionen Euro für die Sanierung des Kombibads. Ein aktueller Stufenplan bestätigt zudem, dass der bestehende Standort für eine Schwimmhalle am geeignetsten ist. Alternative Flächen wurden geprüft, jedoch als unzureichend bewertet.

Auch ein Ausweichen des Schulschwimmens in Nachbarkommunen erweist sich in der Praxis als kaum umsetzbar, was den Handlungsdruck weiter erhöht.

Fördermittelantrag für die Badebucht: Was der HFA jetzt entscheiden muss

Sachstand Stufenplan Badebucht: Was Wedel jetzt prüft

Stadtwerke, Zuschüsse und freiwillige Leistungen

Weitere Beschlüsse betreffen städtische Beteiligungen und Zuschussstrukturen. Bei den Stadtwerken wird die Zusammenführung der bisherigen Aufsichtsräte zu einem Konzernaufsichtsrat geprüft. Uneinigkeit besteht bei der künftigen Gewinnausschüttung: Während die Stadt 50 Prozent anstrebt, empfiehlt der Aufsichtsrat 25 Prozent, um Investitionen nicht zu gefährden.

Für Wedel Marketing wurde eine neue Zuschussvereinbarung über 135.000 Euro jährlich für die Jahre 2026 bis 2028 auf den Weg gebracht. Bei der „Villa“ sollen durch eine Reduzierung von Sozialberatungsangeboten rund 70.000 Euro eingespart werden. Das Stadtteilzentrum „mittendrin“ bleibt hingegen im Bestand.

HFA-Sitzung Wedel: Stadtwerke-Beschlüsse im Überblick

Januar als Richtungsmonat für den Haushalt

Der Blick richtet sich nun auf den Januar. Dann soll der Doppelhaushalt 2026/2027 final beschlossen werden. Bereits jetzt ist absehbar, dass dieser Beschluss ohne weitere Konsolidierungsmaßnahmen kaum möglich sein wird.

Die bisherigen Entscheidungen zeigen: Steuererhöhungen allein werden die strukturellen Probleme nicht lösen. Unvorhersehbare Notfälle, wie zuletzt an der Albert-Schweitzer-Schule, machen deutlich, wie eng der finanzielle Spielraum geworden ist. Der kommende Monat wird daher zeigen, ob der Rat bereit ist, über kurzfristige Maßnahmen hinauszugehen und den Haushalt konsequent strukturell zu stabilisieren.

Abschließend wünsche ich allen Leserinnen und Lesern einen guten Rutsch in ein gesundes und erfolgreiches neues Jahr. Die kommenden Monate werden für Wedel politisch wie finanziell richtungsweisend sein und eine sachliche, verantwortungsbewusste Auseinandersetzung erfordern.

Zwei verlorene Orte: Was aus den "Lost Places" am Wedeler Ortseingang werden soll

Jan Luechau 21. November 2025
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Wer von Hamburg nach Wedel hineinfährt, begegnet zwei besonderen Orten – besonders im negativen Sinn. Direkt an der Rissener Straße liegen das ehemalige Possehl-Gelände und die leere Fläche der 2017 abgebrannten Diskothek "Mr. Pomeroy". Beide Flächen stehen seit Jahren leer. Beide prägen das Bild unserer Stadt an einer der sichtbarsten Stellen. Beide werfen Fragen auf: Was war hier früher? Und vor allem: Was kommt hier noch?

Der Schandfleck Possehl-Gelände: Vom Industrieareal zum politischen Dauerbrenner

Ich war selbst vor Ort. Die heruntergekommenen Fassaden, der Wildwuchs zwischen Beton und Rost, die eingeschlagenen Scheiben – das alles vermittelt ein Bild des Verfalls. Es ist kein übertriebenes Wort: Dieser Ort ist gruselig. Jahrzehntelang produzierte Possehl hier Elektronikbauteile, dann zog sich das Unternehmen zurück. Das ist auch schon über 20 Jahre her. Geblieben ist ein riesiges, ungenutztes Areal. Die Eigentümerfirma May & Co. versuchte sich an einem ambitionierten Plan: ein Mega-Edeka mit Kino und Self-Storage. Doch in der Wedeler Politik stieß das auf breite Ablehnung.

Die Gründe waren vielfältig:

  • Die Ausmaße des Vorhabens wurden als überdimensioniert für Wedel empfunden.

  • Die Verkehrsbelastung an der B431 würde zunehmen.

  • Die Innenstadtgeschäfte könnten durch den Einzelhandelsstandort am Stadtrand geschwächt werden.

  • Ein kleines Wäldchen auf dem Gelände wäre dem Parkplatzbau geopfert worden.

Der Stillstand schien programmiert. Doch nun gibt es Bewegung: Die Deutsche Post will auf dem Possehl-Gelände ein DHL-Logistikzentrum errichten. Das Vorhaben passt ins bestehende Planungsrecht – und stößt auf überraschend breite Zustimmung in der Wedeler Ratsversammlung.

Die SPD spricht von einem echten Gewinn für die Stadt: mehr Arbeitsplätze, mehr Gewerbesteuer, schnelle Umsetzung.
Die WSI zeigt sich sehr positiv und offen für konkrete Gespräche.
Die Linke bevorzugt DHL klar gegenüber dem alten Supermarkt-Kino-Plan.
Die Grünen bleiben vorsichtig und betonen: Ob DHL oder etwas anderes, das Wäldchen muss bleiben.
FDP und CDU sehen Informationsdefizite und fordern unabhängige Gutachten, bevor eine Entscheidung getroffen wird.

Es bleibt also spannend. Klar ist nur: Ein weiteres Jahrzehnt Stillstand wäre ein Armutszeugnis. Das Possehl-Gelände bietet eine reale Chance – für wirtschaftliche Nutzung, aber auch für kluge Stadtentwicklung.

Die Brandruine von einst: Die leere Stelle, wo mal das "Mr. Pomeroy" war

Gegenüber liegt der zweite Lost Place. Wer sich noch an das "Mr. Pomeroy" erinnert, weiß: Diese Diskothek war legendär. Eröffnet 1986, entwickelte sie sich zur großen Ausgehadresse für junge Menschen in Wedel und Hamburg. Später wechselten die Namen ("Maxx", "Viva Event Club"), das Publikum wurde kleiner, die Probleme größer. Lärm, Vandalismus, Polizeieinsätze bis hin zu städtisch bezahlter privater Security auf der Rissener Str. – das Gebäude sorgte für Diskussionen.

Dann, in der Nacht zum 25. Mai 2017: ein Großbrand. Das Feuer zerstörte den gesamten Komplex. Drei Männer standen wegen Brandstiftung vor Gericht – und wurden freigesprochen. Die Ursache blieb ungeklärt. Die Ruine wurde 2018 abgerissen. Seitdem: Nichts. Die Fläche liegt brach. Kein Konzept, kein Investor, keine Perspektive. Aktuell könnte man meinen ist es eine Lagerfläche für Schutt. 

Ich habe versucht, Kontakt zum Eigentümer aufzunehmen. Mehrfach. Eine Antwort habe ich nie bekommen. 

Was diese Orte über uns sagen

Beide Flächen zeigen exemplarisch, wie schwierig Stadtentwicklung sein kann, wenn Investoreninteressen, Naturschutz, Verkehrsfragen und politische Willensbildung aufeinandertreffen. Sie sind aber auch ein Spiegel unserer kommunalpolitischen Entscheidungsprozesse. Die verlorene Discofläche ist heute kaum noch Thema – zu klein, zu sperrig, zu unattraktiv für Investoren. Das Possehl-Gelände hingegen steht im Fokus.

Es ist gut, dass sich nun überhaupt etwas bewegt. Aber wir sollten dabei nie vergessen: Nicht jede Bebauung ist automatisch ein Gewinn. Und kein Konzept ist besser als ein schlechtes. Es braucht Augenmaß, Transparenz, und die Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger.

Zwei verlorene Orte am Ortseingang Wedels – vielleicht bald zwei Chancen für einen Neuanfang. Aber nur, wenn wir es richtig machen.

  1. Neues Zentralkrankenhaus für den Kreis Pinneberg: Stand der Dinge
  2. Abschaltung des Kohlekraftwerks Wedel – Eine unendliche Geschichte
  3. Klimapolitik mit Nebenwirkungen: Was Hamburgs Zukunftsentscheid für Wedel bedeutet
  4. Neues aus den Ausschüssen (KW 37)

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