Wedels Finanzkrise: Die Zeit der Ausreden ist endgültig vorbei

Haben Sie sich schon einmal gefragt, wie sich eine Viertelmilliarde Euro Schulden anfühlen? Das ist kein fiktives Szenario aus einem Wirtschaftsroman, sondern die bittere Realität, auf die unsere Stadt Wedel zusteuert. In meiner jüngsten Haushaltsrede habe ich mich bewusst gegen das reine Vorlesen von Zahlenkolonnen entschieden. Denn wenn Worte über Jahre hinweg keine Wirkung zeigen, müssen Bilder her, um den Ernst der Lage zu verdeutlichen.

Wir stehen an einem historischen Wendepunkt. Während andere Städte in Schleswig-Holstein wie Ahrensburg, Kaltenkirchen oder Elmshorn ihre Finanzen trotz schwieriger Zeiten so weit im Griff haben, dass sie positive Salden ausweisen, ist Wedel zum Schlusslicht im Städtevergleich mutiert. Ein Defizit von über 9,6 Millionen Euro allein im laufenden Betrieb spricht eine deutliche Sprache: Wir können uns unseren ganz normalen Alltag schlichtweg nicht mehr leisten. Wir geben jeden Tag mehr Geld aus, als wir einnehmen, noch bevor wir überhaupt über die erste Investition in die Zukunft nachgedacht haben.

Wenn die Kraft zur Tilgung fehlt

Die Konsequenzen dieser Schieflage sind dramatisch. Ein gesundes Gemeinwesen zeichnet sich dadurch aus, dass es seine Verpflichtungen aus eigener Kraft erfüllen kann. Doch die nackten Zahlen zeigen: Wir können uns mittlerweile nicht einmal mehr unsere Tilgungen leisten. Wenn eine Stadt nicht mehr in der Lage ist, ihre Altschulden planmäßig abzutragen, ohne dafür neue Kredite aufzunehmen, verliert sie ihre finanzielle Souveränität. Wir verwalten nur noch den Mangel und schieben den Schuldenberg vor uns her.

Ein Jahrzehnt der ignorierten Warnungen

Das wirklich Erschreckende ist nicht die Krise selbst, sondern die Tatsache, dass sie mit Ansage kam. Beim Durchforsten alter Unterlagen stieß ich auf einen Haushaltsbegleitbeschluss aus dem Jahr 2015. Die Themen von damals? Flächennutzung, konsequente Aufgabenkritik, strukturelle Konsolidierung. Es ist mehr als frustrierend festzustellen, dass wir zehn Jahre später fast deckungsgleiche Forderungen aufstellen müssen. Ein Jahrzehnt lang wurde das Problem durch glückliche Einmaleffekte kaschiert und von der Politik weggelächelt. Damit muss jetzt Schluss sein.

Die nackten Zahlen der Schuldenfalle

Lassen Sie uns ehrlich sein: 150 Millionen Euro prognostizierte Investitionsschulden bis 2030 sind nur die halbe Wahrheit. Rechnet man die Kassenkredite – also unseren städtischen Dispokredit zur Sicherung der Zahlungsfähigkeit – von aktuell rund 85 Millionen Euro hinzu, landen wir bei einer Gesamtverschuldung von einer viertel Milliarde Euro. Wir haben mittlerweile eine höhere Pro-Kopf-Verschuldung als kreisfreie Städte wie Kiel oder Lübeck. Das ist eine Last, die wir kommenden Generationen schlicht nicht mehr erklären können.

Schluss mit der Klientelpolitik

Wir können es uns nicht länger erlauben, jedes gesellschaftliche Problem mit Geld aus einem leeren Haushalt lösen zu wollen. Diese Form der Klientelpolitik führt uns direkt in den finanziellen Abgrund und nimmt uns jeden Handlungsspielraum für die wirklich wichtigen Zukunftsprojekte.

Mein Appell an alle politischen Akteure in dieser Stadt ist daher klar: Weg von den ideologischen Schützengräben und hin zu einer ehrlichen Zusammenarbeit. Wir müssen jeden Stein umdrehen und gemeinsam mit der Verwaltung nach echten Lösungen suchen, wie wir aus dieser Schuldenfalle herauskommen. Die Zeit der hanseatischen Zurückhaltung angesichts zweistelliger Millionenlöcher ist vorbei. Wir müssen jetzt handeln, um Wedel wieder handlungsfähig zu machen – für uns und für alle, die nach uns kommen.

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    Ich finde die Ansiedelung von DHL gut und würde das gerne so beschloßen sehen. Die Idee eines zusätlichen EDEKA sehe ich skeptisch. Was garantiert uns das der Eigentümer nich EDEKAs an anderen Stellen in Wedel dafür schließt. Der EDEKA in den Welau-Arkaden wäre ein Ankermieter sein weggeang würde der Bahnhofstraße[…]
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    Jan Luechau kommentierte auf Samstag, 22. März 2025 20:32
    Da stimme ich Ihnen in weiten Teilen zu – insbesondere was die Notwendigkeit angeht, diesen „Schandfleck“ endlich sinnvoll zu entwickeln. Eine wirtschaftliche Nutzung mit dem Ziel, neue Arbeitsplätze und Steuereinnahmen zu generieren, ist aus Sicht der CDU absolut wünschenswert. Was mögliche Ansiedlungen wie DHL betrifft: Bisher liegen uns[…]
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    Vielen Dank für Ihre Rückmeldung zum Artikel – auch wenn der Ton wieder einmal mehr auf Provokation als auf konstruktiven Austausch abzielt. Ich möchte dennoch auf Ihre Punkte eingehen: Warum wird das Personal in der Verwaltung aufgestockt? Ein Großteil der neuen Stellen resultiert aus rechtlichen Verpflichtungen. Ein Teil der nicht[…]
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    Die Annahme ergibt sich direkt aus den im Artikel genannten Punkten.
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    Vielen Dank für den Hinweis – völlig richtig: Bei einem Betriebsübergang nach § 613a BGB werden die Arbeitsverhältnisse in der Regel unverändert übernommen. Das schränkt natürlich auch die „Flexibilität“ eines möglichen privaten Betreibers deutlich ein und ist ein weiterer Grund, warum die Übernahme eines defizitären Betriebs w[…]
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    Warum wird das Personal in der Verwaltung aufgestockt.? Warum investiert die Stadtsparkasse in Holm und nicht in Wedel? Warum wird die Sparkasse nicht zu Geld gemacht? Letztendlich wundert mich auch folgendes: Wo war die CDU in den letzten 12 Jahren? Soweit ich mich erinnere, wurde Niels Schmidt urch die CDU[…]
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    Worauf beruht die Annahme, das sich kein Investor für ein privat betriebenes Bad finden würde ?  
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    Frank fuchs kommentierte auf Samstag, 22. März 2025 07:27
    Fest steht, das das Gelände im jetzigen Zustand einen Schandfleck darstellt. Man sollte jede Möglichkeit nutzen, dort ein Unternehmen anzusiedeln. Wenn DHL in Wedel investieren möchte, wird doch sicherlich so etwas wie eine Machbarkeitsstudie existieren,auf die man aufbauen könnte. Es ist doch so: Ohne zusätzliche Steuereinnahmen kein Raum fü[…]
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    Renate Palm kommentierte auf Freitag, 21. März 2025 20:04
    Ein Hinweis. Bei einem Betriebsübergang nach § 613a BGB werden auch die Arbeitsverträge übernommen. Eine Kündigung der Arbeitnehmer ist rechtlich selten durchsetzbar.