Neues zum Gründer- und Technologiezentrum (GTZ) in Wedel: Zahlen, Varianten und die Frage „Was wäre, wenn nicht?“
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Neues zum Gründer- und Technologiezentrum (GTZ) in Wedel: Zahlen, Varianten und die Frage „Was wäre, wenn nicht?“

Das geplante Gründer- und Technologiezentrum (GTZ) im BusinessPark Elbufer nimmt weiter Form an. Die begleitende Beratungsgesellschaft cima hat dazu Ende Mai eine sehr detaillierte Ausarbeitung vorgelegt, welche die Rahmenbedingungen für den Bau und den Betrieb intensiv analysiert.

Vom gemischten Konzept zur Fokussierung auf Gründer

Der inhaltliche Schwerpunkt des Zentrums im Bereich der Mess-, Steuerungs- und Regelungstechnik steht fest und wird von allen Projektpartnern getragen. Anpassungen gab es jedoch bei der Ausrichtung der künftigen Mietflächen.

Ursprünglich sah das Konzept einen ersten Bauabschnitt vor, bei dem neben Gründern auch Unternehmen auf dem freien Markt Flächen hätten anmieten können. Dieser Ansatz wurde aus triftigen Gründen verworfen. Eine Überprüfung durch Steuer- und Rechtsberater ergab, dass der Einsatz öffentlicher Mittel für frei vermietbare Büroflächen im Wettbewerb einen Eingriff ins Marktgeschehen darstellt und gegen das Beihilferecht verstoßen würde. Zudem hätte der Verlust steuerlicher Privilegien gedroht. Die Baukosten für diese freien Marktflächen hätten vollständig über Kredite finanziert werden müssen, wobei die Zinslast die potenziellen Mieteinnahmen deutlich überstiegen hätte.

Die Lösung besteht nun in einem angepassten ersten Bauabschnitt, der ausschließlich für Gründerinnen und Gründer vorgesehen ist. Es entsteht eine Gesamtnutzungsfläche von 1.295 Quadratmetern, die sich auf 846 Quadratmeter Bürofläche, 185 Quadratmeter für Labore und Produktion sowie 264 Quadratmeter Nebenflächen aufteilt. Das Zentrum bietet Raum für bis zu 21 junge Unternehmen. Die Mietdauer für die Gründer ist beihilferechtlich auf maximal fünf Jahre begrenzt.

Wie wird das GTZ organisiert und finanziert? Die Varianten im Detail

Ein wesentlicher Teil der Vorlage befasst sich mit der Finanzierung der Baukosten von voraussichtlich rund 9,11 Millionen Euro und der Deckung der laufenden Betriebskosten. Hierbei wurden im Kern zwei mögliche Hauptvarianten untersucht, die für uns in Wedel stark unterschiedliche finanzielle Auswirkungen haben:

  • Variante 1b (Besitz und Betrieb getrennt): Bei diesem Modell würden der Kreis Pinneberg und die Stadt Wedel jeweils 50 Prozent der Investitionskosten (je ca. 4,56 Millionen Euro) tragen. Die Wirtschaftsförderungs- und Entwicklungsgesellschaft des Kreises Pinneberg (WEP) wäre nur Betreiberin, nicht aber Miteigentümerin. Die Stadt Wedel müsste eine eigene Kreditaufnahme über eine Besitzgesellschaft stemmen, da die WEP hier nicht zwischenfinanzieren dürfte. Dieses Modell führt zu einer hohen jährlichen Unterdeckung im Betrieb von insgesamt rund 435.000 Euro, von denen die Stadt Wedel jährlich durchschnittlich rund 183.000 Euro tragen müsste.
  • Variante 2 (Betrieb und Besitz bei der WEP - Vorzugsvariante): Dieses Modell sieht eine Drittelung der Kosten und der Verantwortung vor. Der Kreis Pinneberg, die Stadt Wedel und die WEP tragen jeweils ein Drittel der Investition (rund 3,04 Millionen Euro pro Partner). Die Stadt Wedel bringt ihren Anteil durch die Überlassung des Grundstücks ein. Ein entscheidender Vorteil: Der Anteil Wedels könnte durch die WEP gestundet werden, bis wir weitere Grundstücke im BusinessPark verkauft haben. Zudem liegt das jährliche Gesamtdéfizit im Betrieb in dieser Variante bei deutlich geringeren rund 108.000 Euro. Der Anteil für die Stadt Wedel beläuft sich hier auf lediglich rund 36.000 Euro jährlich.

Aufgrund der deutlich geringeren laufenden Belastung für den städtischen Haushalt und der besseren Zwischenfinanzierungsmöglichkeiten kristallisiert sich, laut cima die Variante 2 als die deutlich praktikablere Lösung heraus.

Was passiert, wenn wir gar nicht bauen? (Die sogenannte Nullvariante)

Die Ausarbeitung beleuchtet auch ganz sachlich die Folgen, falls man sich komplett gegen das GTZ entscheidet (Variante 0).

Zunächst einmal würde dies natürlich bedeuten, dass die oben genannten Investitionskosten und jährlichen Unterdeckungen für alle Partner entfallen. Diesen Einsparungen stehen jedoch gewichtige strategische und wirtschaftliche Nachteile gegenüber:

  • Der Kreis Pinneberg wäre der einzige Kreis in ganz Schleswig-Holstein ohne ein eigenes Gründerzentrum.
  • Der mühsam erarbeitete Branchenschwerpunkt in der zukunftsträchtigen Mess-, Steuerungs- und Regelungstechnik würde nicht aktiv gefördert.
  • Wir müssten damit rechnen, dass die Abwanderung innovativer Gründerinnen und Gründer ins nahegelegene Hamburg sich weiter verstetigt. Das Potenzial wandert ab, anstatt vor Ort gebunden zu werden.

Wirtschaftliche Perspektiven für unsere Region

Der Bau des Zentrums ist keine Immobilienspekulation, sondern eine klassische Maßnahme der Wirtschaftsförderung. Die Daten zeigen deutlich, warum das wichtig ist: Unternehmen, die in einem Gründerzentrum betreut werden, weisen im Durchschnitt eine Überlebensquote von 80 Prozent auf. Ohne ein solches Zentrum liegt dieser Wert (laut Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz) im Schnitt bei nur 40 Prozent.

Die Prognosen in den vorliegenden Dokumenten gehen davon aus, dass die positiven Effekte durch neu geschaffene, hochqualifizierte Arbeitsplätze und die daraus resultierenden Steuereinnahmen (Gewerbe- und Einkommensteueranteile) die Ausgaben für den Betrieb des GTZ mittel- und langfristig übersteigen werden. So wird in der vereinfachten Stichjahresbetrachtung prognostiziert, dass nach 10 Jahren kumuliert rund 442.100 Euro pro Jahr an Steuereinnahmen für die Kommunen generiert werden könnten.


Weitere Informationen zum Thema

Die ausführliche Beratung dieser Unterlagen findet in der gemeinsamen Sitzung des Ausschusses für Wirtschaft, Regionalentwicklung und Verkehr des Kreises Pinneberg sowie des Wedeler Haupt- und Finanzausschusses am 06.06.2026 statt.

Ihr Jan Lüchau

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