Kürzlich erschien in der SHZ ein Artikel mit dem Titel "Iran-Krise und Baukosten – Badebucht Wedel: Wird die Sanierung zu teuer? Bürgermeisterin regt Überdenken an – Politik winkt ab". Beim Lesen drängt sich unweigerlich der Eindruck auf, als käme die Möglichkeit von Baukostensteigerungen bei diesem Großprojekt für einige Akteure völlig überraschend. Doch entspricht das wirklich den Tatsachen und dem bisherigen Prozess?
Keine Überraschung, sondern bauliche Realität
Ich kann natürlich nicht für die gesamte Verwaltung und Politik sprechen, aber mein Eindruck war und ist: Dass Kostensteigerungen bei einem Projekt dieser Größenordnung immer im Bereich des Möglichen liegen, ist allen Beteiligten bewusst. Das liegt schlicht in der Natur der Sache, allein schon, weil die zugrunde liegenden Zahlen für die Kostenschätzungen teilweise noch aus 2024 beziehungsweise 2025 stammen. Die Zahlen sind also mittlerweile rund zweieinhalb Jahre alt. Dass die allgemeinen Baukosten in dieser Zeit nicht sinken, ist kein Geheimnis und bedarf keiner plötzlichen Neuausrichtung.
Der Abwägungsprozess
Die mediale Darstellung des plötzlichen "Kopfzerbrechens" greift auch deshalb zu kurz, weil die hohen Investitionssummen schon lange kritisch begleitet werden. So hatte unsere Bürgermeisterin beispielsweise schon am 07.07.2025 im Haupt- und Finanzausschuss über eine geplante "Kommunikationsschleife" berichtet. Das Ziel war es schon damals, das Vorgehen in Ruhe zu überprüfen, die Verzahnung mit städtebaulichen Überlegungen abzuwägen und Transparenz zu schaffen. Das Projekt wird also keineswegs auf die leichte Schulter genommen.
Auch für mich persönlich als Ratsmitglied ist das keine leichte Entscheidung. Ich kann mich nicht daran erinnern, in meiner politischen Laufbahn jemals über eine derart hohe Investitionssumme für Wedel entscheiden zu müssen. Bei der beschlossenen Variante 4A sprechen wir von geschätzten Kosten von rund 14,7 Millionen Euro netto.
Solide Kalkulation mit Einsparpotenzial
Nach meinem aktuellen Kenntnisstand ist die bestehende Kalkulation dennoch so solide und belastbar aufgestellt, dass sie nicht sofort in sich zusammenfällt. Sie beinhaltet durchaus noch Einsparpotenziale beziehungsweise Puffer von +/- 30 Prozent, um eventuelle Kostensteigerungen aufzufangen, ohne gleich das gesamte Konzept erneut auf den Prüfstand stellen zu müssen.
Die Kernfrage: Was wollen wir für Wedel?
Am Ende des Tages reduziert sich die Debatte auf eine grundlegende politische Frage: Was wollen wir als Stadt? Die Politik hat sich nach intensiven Diskussionen mehrheitlich dazu entschieden, das Schwimmangebot in Wedel, insbesondere für unsere Schulen und Vereine, aufrechtzuerhalten. Im Vorfeld wurden dafür etliche Optionen durchgespielt und geprüft. Die Spannweite reichte von einer umfassenden Sanierung im Bestand über ein Hybridbecken bis hin zum Teilabriss.
Die nun fokussierte Variante 4A stellt dabei bereits einen massiven, aber vernünftigen Kompromiss dar: Sie sichert mit einem Sportbecken und einem Lehrschwimmbecken die Grundversorgung, verzichtet aber aus Kostengründen auf das Freibad, den Erlebnisbereich und den Kinderbereich.
Wenn wir als Stadt attraktiv bleiben wollen, müssen wir zu unseren mehrheitlichen Beschlüssen stehen und den Weg nun auch konsequent weitergehen, ohne ständige neue "Schleifen".
Weiterführende Dokumente
Für alle, die sich detaillierter in die Zahlen und Konzepte einlesen möchten, verlinke ich hier die entsprechenden Präsentationen und Sachstände, auf die ich mich beziehe:
- Informationsveranstaltung zur Zukunft der Badebucht (Präsentation vom 04.11.2025)
- Sachstand Badebucht - Kombibad Wedel GmbH (Dokument vom 25.09.2025)
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